Newsletter Frühsommer 2018

Meditationstagung in Stuttgart: verschiedene Berichte (Heertsch, Oldenburg, Schamberger/Thiersch) und Nachwirkungen (Heinlein, Kovce, Diet) – Meditation, Hochschule und Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland: Falk und Schlüter als Hochschulverantwortliche benannt – Lesetipps – Datenschutz.
Von Anna-Katharina Dehmelt und Terje Sparby

 

Vom 23. bis 25. Februar 2018 fand im Stuttgarter Rudolf Steiner Haus die vierte Meditationstagung statt, erstmals veranstaltet von der Akanthos-Akademie in Kooperation mit dem Institut für anthroposophische Meditation und der Anthroposophischen Gesellschaft Stuttgart, mit Unterstützung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland. Nachdem die drei Tagungen in den Vorjahren das Verhältnis anthroposophischer Meditation zu östlichen Ansätzen ausleuchteten, stand jetzt „Meditation als Erkenntnisweg – Die Vielfalt anthroposophischer Ansätze“ im Vordergrund. Wobei die Vielfalt sich auf die heutige Praxis bezog. Dementsprechend waren 15 namhafte Dozenten beteiligt, die ein breites Spektrum anthroposophischer Meditation repräsentierten. In Workshops konnte man mit ihnen üben, und in vier Erkenntnisgesprächen kamen sie miteinander ins Gespräch – ein etwas gewagtes Format, denn die Gespräche waren weder moderiert noch durch fixe Standpunkte dominiert, sondern sollten aus der Geistesgegenwärtigkeit und dem kooperativen Aufeinander-Zugehen gestaltet werden. Das gelang mehr oder weniger, anregend für die Zuhörer war es dennoch, wie sich an der niveauvollen Beteiligung des Publikums zeigte. So wurde die Tagung zu einem Begegnungsfest, das von der konstruktiven, dafür manchmal vielleicht etwas unkritischen Zusammenarbeit geprägt war und eine kräftig wirksame Inspirationsfläche aufspannte. Man kann sagen, dass nach der stark international geprägten Goetheanum-Meditations-Tagung „Living Connections“ im vergangenen Sommer sich die Bewegung anthroposophischer Meditation im deutschsprachigen Raum erstmals als Ganze figurierte. Schaut man auf diese Bewegung, so mag man zur Ordnung der Vielfalt vielleicht drei  Achsen hindurchlegen, auf denen sich zwischen den im Folgenden beschriebenen Extremen alle möglichen Zwischenformen finden und auch jeder einzelne sich an immer wieder anderen Stellen bewegt. Erstens unterscheiden sich die verschiedenen Ansätze durch Basis und Tempo, in denen sich übersinnliche Erfahrungen einstellen. Die einen kommen, oft durch die Arbeit mit der Natur, sehr rasch zu Ergebnissen, bei anderen steht stärker die Erforschung des eigenen Bewusstseins und dessen übende Entwicklung im Vordergrund. Eine zweite Achse kann man entlang der Ausrichtung an Esoterik oder Exoterik ziehen. Zentral kann die Frage nach Elementarwesen, Engeln oder dem Christus sein, oder der Blick wird stärker auf Alltagsfragen, Lebensbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung gelegt, doch bleibt auch dabei stets die Entwicklung höherer Bewusstseinsstufen im Blick; eine reine Wohlfühl-Meditation wird von niemandem vertreten. Und drittens gibt es natürlich Unterschiede in der unmittelbaren Bezugnahme auf Übungen von Rudolf Steiner oder der Arbeit mit selbstentwickelten Übungen.
Gemeinsam jedoch, und das stellt die jederzeitige Gesprächsfähigkeit sicher, ist die Bezugnahme aller Beteiligten auf die drei höheren, durch Meditation zu erübenden Bewusstseinsstufen Imagination, Inspiration und Intuition. Mag es sich um Vorstufen von Vorstufen oder um weit fortgeschrittene Bewusstseinsformen handeln – hier hat man einen Boden, auf dem man sich über das meditative Üben verständigen kann.
Genaueres können Sie den drei verschiedenen Berichten von der Stuttgarter Tagung entnehmen
– von Andreas Heertsch in „Anthroposophie Weltweit“ 4/2018, hier die ungekürzte Fassung;
– von Angelika Oldenburg in Die Drei 5/2018;
– sowie einem Bericht Peter Schamberger und Veronika Thiersch , der bisher noch nicht veröffentlicht wurde.

 

Die auf der Tagung vielleicht etwas zu kurz gekommenen Kontroversen haben sich in ganz unterschiedlicher Weise durch drei Autoren artikuliert, die alle irgendwie auf die Stuttgarter Tagungen Bezug nehmen, allerdings alle drei noch nie an einer dieser Tagungen teilgenommen haben. Sie – Jörn Heinlein, Philip Kovce und Irene Diet – seien schon jetzt ganz herzlich zur nächsten Stuttgarter Meditationstagung vom 22. bis 24. März 2019 (siehe dazu weiter unten) eingeladen!

Als erster stellte Jörn Heinlein seinem im Osterheft der „Anthroposophie“ erschienen Artikel „Anthroposophie und Zen“ eine Einleitung   voran, in der er konstatiert, dass das Thema Meditation in der Anthroposophie erst seit den 2010er-Jahren zu einer öffentlichen Wahrnehmung gekommen sei. Dann fährt der mit einigen Protagonisten der anthroposophischen Meditation gut bekannte Autor fort: „Inzwischen haben sogar mehrere mehrtägige Tagungen in Stuttgart stattgefunden, in denen sich die Protagonisten anthroposophischer und buddhistischer Meditationsrichtungen begegnet sind. Die Programme waren so gestrickt, dass die jeweiligen Vertreter ihre sich erarbeitete Praxis in den dafür vorgesehenen Tagungsperioden in tätiger Seminararbeit präsentierten. Von dieser Planung her mussten daher diese – übrigens gut besuchten – Veranstaltungen so empfunden werden, dass die Teilnehmenden sich werben lassen sollten oder sich unwillkürlich werben lassen mussten, je von der einen oder der anderen Richtung. Das Begrüßenswerte der Tagungen bestand in einer gemeinsamen Organisation anthroposophischer und buddhistischer Protagonisten, der Mangel in dem Fehlen von Veranstaltungen, in denen die Bezugnahme der einen Bewegung zur anderen zum Thema hätte werden können. Es wurde nicht deutlich, ob ein gegenseitiges Kennenlernen je stattgefunden hat, wo Gemeinsamkeiten zu finden wären …“
Lassen wir die unterstellte Werbewirksamkeit der Workshops einmal auf sich beruhen, so sei doch der wie gesagt leider nicht aus eigener Erfahrung urteilende Autor darauf hingewiesen, dass auf jeder der Tagungen zum Abschluss ein langes Gespräch zwischen anthroposophischen und buddhistischen Vertretern stattfand. Auf der ersten Tagung war dieses Gespräch durch zwei Impulsreferate von Michael von Brück und Anna-Katharina Dehmelt eingeleitet (die Ausführungen letzterer lassen sich hier nachlesen); bei der zweiten und dritten Tagung gab es ausführliche Podiumsgespräche zwischen den Mitwirkenden. Auffällig dabei war, dass die buddhistisch orientierten Meditierenden sehr strikt ihre jeweilige Richtung vertraten und es so auch zu Differenzen unter den verschiedenen buddhistischen Strömungen kam, während die Anthroposophen eher integrativ eingestellt waren und sind – wie dann übrigens auch Jörn Heinlein in seinem im Weiteren durchaus lesenswerten, aber leider nicht online verfügbaren Artikel. Durchgängig war auf den Tagungen zu beobachten, dass die jeweils vertretenen Wege so individuell wie ihre Vertreter sind und sich dementsprechend auch die Überkreuzungen und Differenzen ergeben. Immer aber bildet die Begegnung mit anderen Strömungen ein Selbstbewusstsein aus, das um die individuell gesetzten Schwerpunkte in einem immer größeren Kontext weiß und diese dadurch modifiziert. Diese Erfahrung ist insbesondere für die Vertreter der gegenüber dem Buddhismus ja noch sehr jungen anthroposophischen Bewegung von großer Bedeutung.
Eine Frucht der Meditationstagungen ist übrigens auch Andreas Neiders in Die Drei 9/2015 erschienener, wiederum integrativ eingestellter Artikel „Der Ost-West-Gegensatz: Die notwendige Ergänzung der Imagination durch die Inspiration“.

Die Spannung zwischen einem im allgemeinen zu beschreitenden anthroposophischen Schulungsweg und der individuellen Praxis artikuliert Philip Kovce in seiner in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ 9/2018 erschienenen Glosse „Ich meditiere nicht“. Sein Aufhänger ist ein Satz aus dem Flyer der letzten Stuttgarter Meditationstagung: „Jüngst fand ich auf einem Flyer eine Tagung angekündigt, welche von sich behauptete, ‚die anthroposophische Meditation einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, sodass daraus für möglichst viele Menschen eine regelmäßige Meditationspraxis erwachsen kann‘. Ich fühlte mich ausgeladen, ja, mehr noch: abgestoßen.“
Kovce untersucht im Weiteren, flott und originell wie von ihm gewohnt, den Gegen-Satz zwischen dem allgegenwärtigen Meditieren und seinem individuellen Erkenntnis- und Lebensansatz. Er kommt zu folgendem paradoxen Ergebnis:
„Und ich? Meditiere ich nun? Ich würde eigentlich nicht sagen, dass ich nicht meditiere. Ich würde eher – paradoxerweise? – sagen, dass ich mich durch diese oder jene Meditation nicht vom Meditieren abhalten lasse. Ich meditiere mich. Mein Leben ist eine Meditation. … All die Meditationen, die ich dann und wann meditieren ‚wollte‘, erwiesen sich früher oder später als ‚gewollt‘ (meinerseits) oder ‚gesollt‘ (andererseits). Kurzum: Ich meditiere nicht Meditationen, sondern das Leben.“
Ob es sinnvoll ist, den Begriff von Meditation so weit auszudehnen? Und warum lässt Philip Kovce es nicht einfach bei dem ihm ja gerne zugestandenen „Ich meditiere nicht“?

In der Nr. 20/2018 des Goetheanum findet sich eine Replik auf Philip Kovces Glosse von Salvatore Lavecchia: „Ichsam leuchtende Stille“. Ein besonnener, ebenfalls angenehm zu lesender Text, der Kovces reflektierten Sturm und Drang zu vertiefen versucht. Lavecchia erzählt, wie sein alltägliches Meditieren durch die Geburt seiner Tochter radikal eingeschränkt wurde: „Der Raum, der für die im ‹klassischen› Sinne geführte Meditation nicht mehr frei war, wurde mir durch die Geburt eines Kindes als Raum einer Wachsamkeit geschenkt, die sich im Verhältnis zur ‹klassisch› meditativen Wachsamkeit in einer umgestülpten Form und Dynamik ereignet: Ichsam leuchtende Stille, die in jedem verstehenden Wahrnehmen des anderen im Irdischen eine anfangsbewirkende Frage offenbaren kann. … Was kann, in unsrer Gegenwart, anthroposophische Meditation sein? Vielleicht auch der Versuch, die ‹klassisch› meditative Haltung immer mehr zu einer meditativen, das heißt, heute, ichsamen Durchdringung des Nicht-Meditativen zu verwandeln?“
Beiden Artikeln ist gemeinsam, dass sie statt nach innen gerichteter Meditationen einen meditativen Zugang zum Alltag anregen. Dabei gehen sie – mit dem Anliegen der anthroposophischen Meditation – weit über eine reine Achtsamkeitspraxis hinaus, denn der Alltag wird zum spirituellen Vertiefungs- und Forschungs-Thema. Was bei Lavecchia aber deutlich wird: dieser Haltung ist eine lange nach innen gerichtete Meditationspraxis vorausgegangen. Ist das Meditieren der Nicht-Meditierenden, wenn es wirklich mit Recht so bezeichnet werden soll, nicht doch Frucht von ‚klassischer‘ Meditation – wann auch immer sie praktiziert wurde? Setzt es nicht eine Bewusstseinskonfiguration voraus, die über unser normales Alltagsbewusstsein hinaus geht? Inweiweit diese Bewusstseinskonfiguration heute schon spontan auftritt, inwieweit sie Ergebnis meditativer Verwandlungsprozesse ist, das ist eine noch kaum erforschte Frage.

Der dritte Text „Meditation und Anthroposophie Rudolf Steiners – Wo ist der Zusammenhang?“ stammt von Irene Diet und ist als „Ein Nachrichtenblatt PLUS“ am 28.4.2018 erschienen.Die Autorin beschreibt, dass anthroposophische Meditation durch “Gruppierungen, welche sich zunächst unabhängig von der Anthroposophischen Gesellschaft gebildet hatten“, „in einer recht kurzen Zeit eine auffallend große Verbreitung gefunden“ hat. Nun scheinen sich diese Gruppierungen, „die ‚Peripherie‘ also, mit dem ‚Zentrum‘, d.h. mit der Anthroposophischen Gesellschaft zusammengefunden zu haben“. Für diese Wahrnehmung stützt sie sich auf die letzte Stuttgarter Meditationstagung, bei der die Anthroposophische Gesellschaft Stuttgart Kooperationspartner war, sowie auf die Internetseite der Goetheanum Meditation Initiative worldwide: „die Anthroposophische Gesellschaft, die noch vor kurzem einen Bedeutungsschwund zu erleiden drohte, scheint nun, dank der ‚Anthroposophischen Meditation‘, eine neue Lebens- und Sinn-Grundlage gefunden zu haben. Was liegt dieser Entwicklung zugrunde?“
Auf den folgenden 12 Seiten des insgesamt 14seitigen Artikels beschäftigt sich Irene Diet nun mit der Frage, ob die anthroposophische Meditationsbewegung das Attribut „anthroposophisch“ zu recht trägt. Man ahnt bald, dass die Antwort ‚nein‘ lauten wird. In einem Facebook-Chat hat Irene Diet zusammenfassend geschrieben:  „Man gibt vor, sich ganz und gar auf Rudolf Steiner zu beziehen, und macht dennoch etwas, das seiner Anthroposophie gar nicht entspricht.“
Sie versucht, diese Aussage mit einer Untersuchung zweier Aufsätze „Meditation und Forschung“  von Anna-Katharina Dehmelt aus dem Jahre 2009 zu belegen (in Die Drei März 2009 zur Rosenkreuz-Meditation und in Die Drei April 2009 zur Übertragung auf geistiges Forschen). Ihre Untersuchung ist allerdings voll von Fehlern, entstellenden Paraphrasen und eindrucksvollen Abwertungen der Dehmeltschen Texte. Anna-Katharina Dehmelt hat Irene Diet in einem offenen Brief geantwortet, dessen erster Teil die allgemeineren inhaltlichen Fragen behandelt und in einem Anhang auf Fehler und Entstellungen in Diets Text eingeht.
Außerdem hat sich Michael Eggert auf seinem Egoisten-Blog unter der Überschrift „Niemand hat das Rosenkreuz für sich gepachtet“ mit Irene Diets Text auseinandergesetzt. Eggert sieht dabei in Dehmelts Vorgehensweise säkularen Pragmatismus und stellt ihn Diets manichäischem Abstraktum gegenüber. Eggert kommt zu dem Schluss:
„So verpufft Irene Diets Attacke gegen die Pragmatiker an den eigenen Ansprüchen. Unter der sehr hoch gelegten Latte Rudolf Steiners ist sehr wohl Platz für Vielfalt, Platz für Interpretations-Spielräume und für das Experiment mit Erfahrungsräumen. Niemand hat das Rosenkreuz für sich gepachtet, niemand hat Deutungshoheit über die Begriffe Rudolf Steiners, deren innere Weite und Offenheit zu Interpretationen geradezu heraus fordert. Und niemand muss ohne Not einen neuen Konflikt herbei reden und neue Wunden innerhalb der anthroposophischen Bewegung aufreißen.“
Wir hoffen mit ihm.

Nachtrag am 30.6.2018: Mittlerweile haben sowohl Irene Diet wie Anna-Katharina Dehmelt noch einmal geantwortet.
Am 3.7.2018 gab es dann nochmal eine Antwort von Irene Diet. Unsererseits schweigen wir dazu.
In Ein Nachrichtenblatt Plus XII vom 4. Juli 2018 wurde die ganze Kontroverse dokumentiert.

 

 

Nun aber zurück zur nächsten Stuttgarter Meditationstagung, die vom 22. bis 24. März 2019 mit dem Thema „Die Seele atmet im Lichte – Meditatives Üben zwischen Wahrnehmen und Denken“ stattfinden wird. Grundlage dafür sind Darstellungen Rudolf Steiners, in denen dem alten, zum Beispiel im Yoga mit seinen Atemübungen praktizierten Luftseelenprozess ein Lichtseelenprozess zwischen Wahrnehmung und Denken entgegenstellt wird. So wie das Ein- und Ausatmen der Luft in alten Zeiten zur Verbindung mit den spirituellen Tiefen des Daseins geführt hat, ist es heute der Pendelschlag zwischen Wahrnehmung (entsprechend dem Einatmen) und Denken als im Inneren des Menschen auftretender Teil der Welt (entsprechend dem Ausatmen). Steiners diesbezügliche Darstellungen stammen aus den Jahren 1919 und 1920, sie werden also nächstes Jahr einhundert Jahre alt. Sie bilden einen wesentlichen Teil der Grundlage, auf der Anthroposophie und Meditation ihren starken Weltbezug ausbilden.
Es werden wiederum eine Vielzahl bekannter Meditations-Dozenten mitwirken, die zum großen Teil auch zwischen den Stuttgarter Tagungen zusammenarbeiten und sich Anfang dieses Jahres bereits zu ersten Vorbereitungstagen getroffen haben. Außerdem hat im März in der Reihe der Mannheimer Ost-West-Begegnungen bereits eine Beschäftigung mit dem Lichtseelenprozess stattgefunden, von der Angelika Schmidt hier berichtet.

 

Spirituelle und meditative Praxis ist für das Leben der Anthroposophie zentral: aus ihr geht hervor, was Steiner „Forschung auf geistigem Gebiete“ nannte und was sowohl für die Lebendigkeit der Anthroposophie selbst wie für ihre Fruchtbarkeit in Lebenspraxis und Kulturentwicklung grundlegend und identitätsstiftend ist. Dem hat Rudolf Steiner in der Gründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft mit der ihr eingeborenen Freien Hochschule für Geisteswissenschaft auch einen institutionellen Ausdruck gegeben.
Während die verschiedenen Fach-Sektionen der Freien Hochschule durch ihren starken Bezug zum praktischen Leben zum Beispiel in der anthroposophischen Medizin, der Waldorfpädagogik oder der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ständig mit Forschungsfragen konfrontiert sind und diese auch bearbeiten (siehe etwa neuerdings das von Christiane Haid, Constanza Kaliks und Seija Zimmermann herausgegebene Buch über die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft), hat die Entwicklung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion in den letzten bald einhundert Jahren keine so gut erkennbare Entwicklung durchlaufen – dies kann man insbesondere bei Johannes Kiersch nachlesen. Zwar hat man die von Steiner extra für die Freie Hochschule gegebenen Mantren (die sogenannten Klassenstunden) treu gepflegt; für eine umfassendere spirituelle Praxis war jedoch im Rahmen der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion bisher kaum wirklicher Raum vorhanden.
So hat sich das anthroposophische Meditieren in den letzten bald 20 Jahren überwiegend in individueller Initiative und institutioneller Unabhängigkeit von Anthroposophischer Gesellschaft und Hochschule entwickelt – wenn auch die meisten Dozenten anthroposophischer Meditation sich der Freien Hochschule innerlich verpflichtet fühlen. Dennoch kann man heute beinahe von zwei verschiedenen Strömungen spiritueller Praxis sprechen: eine, die sich anhand der Klassenstunden innerhalb der Hochschule entwickelt hat und eine andere, die frei und institutionell unabhängig mit den vielen anderen Meditations- und Forschungsanregungen Steiners umgeht.
Mit der international orientierten Goetheanum Meditation Initiative worldwide, von der wir in diesen Newslettern schon oft berichtet haben, und der aus ihr entstandenen Tagung Living Connections im Sommer 2017 wurde angestrebt, das gegenseitige Verhältnis nicht theoretisch zu bestimmen, sondern durch Zusammenarbeit zu entwickeln – ein gelingender und weiterhin offener Prozess.
Nun ist dieses Thema vom Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland neu gegriffen worden. Im Rahmen eines vor gut zwei Jahren insbesondere von Michael Schmock angestoßenen Zukunftsprozesses wurde als eines von sechsen das Zukunftsprojekt „Erweiterte Hochschule“ definiert, von dem im Mai-Heft der Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland insbesondere auf den Seiten 18 und 21 zu lesen ist. Dazu gehören die schon seit längerem stattfindenden Arbeitstage „Motive meditativer Praxis“ und dazu gehört die Vorbereitung einer Tagung vom 22. bis 24. Februar 2019 in Stuttgart, die sich als Hochschultagung versteht, aber auch für Nicht-Hochschulmitglieder offen sein wird. Zudem entwickelt der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland in einer erweiterten Vorstandsarbeit „Gesichtspunkte einer Hochschularbeit über die Klassenstunden hinaus“. Neu daran ist weniger eine Hochschularbeit über die Klassenstunden hinaus, als dass die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland sich diese zum Thema macht. Auf der Website der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland wird die Arbeit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft hier vorgestellt.
Beauftragt für die Entwicklung des Zukunftsprojekts „Erweiterte Hochschule“ wurden die beiden Vorstandsmitglieder Goia Falk und Martin Schlüter. Letzteren kann man in seiner neuen Funktion zum Beispiel am 27. Juni 2018 in Stuttgart wahrnehmen. Auch die Jahresversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland   vom 15. bis 17. Juni 2018 in Stuttgart mit dem Titel „Menschenseele! … übe …“ ist ganz diesem Thema gewidmet.

 

Wo wir schon gerade bei kommenden Veranstaltungen sind: werfen Sie doch immer wieder mal auch einen Blick in den Veranstaltungskalender!

 

Zum Schluss gibt es jetzt noch einige Hinweise auf neuere das Thema anthroposophische Meditation betreffenden Publikationen.

  • An erster Stelle möchten wir das Buch „Die Geburt der geistigen Sonne“ von Corinna Gleide nennen. Corinna Gleide berichtet darin von ihrem eigenen meditativen Weg, von Übungen und von Lebensverwandlungen, und schildert diesen so unnachahmlich persönlich-überpersönlich, dass man großen Gewinn für die eigene Praxis daraus ziehen kann. Andreas Neider hat das Buch im Mai-Heft von Die Drei besprochen.
  • Die Monatszeitschrift Die Drei ist seit Jahren eine zuverlässige Lieferantin von fundierten Artikeln zu anthroposophischer Meditation im weitesten Sinne. Aus letzter Zeit seien nur die Texte von Terje Sparby über „Die Bereiche und die Stufen der höheren Erkenntnis“, von Ulrike Wendt über „Atemübungen als Schulungsmethode“ oder von Gunhild von Kries „Mit der Zukunft zusammenwirken“ genannt.
  • Die im vergangenen Jahr erschienen Texte zu Rudolf Steiners Schulungsbuch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ sind nun gesammelt als Sonderheft unter dem Titel „Geistige Erkenntnis und Schulungsweg“ erschienen. Die 16 Artikel stammen von Eva-Maria Begeer-Klare, Anna-Katharina Dehmelt, Corinna Gleide, Steffen Hartmann, Christoph Hueck, Wolfgang Kilthau, Dirk Kruse, Eugen Meier, Andreas Neider, Martina Maria Sam, Dorian Schmidt und Ulrike Wendt.
  • Eine ganz grundlegende, knappe Überblicksdarstellung zur „Meditation nach Rudolf Steiner“ hat der Hamburger Musiker Matthias Bölts im „Hinweis“, dem Hamburger Ankündigungsblatt von Einrichtungen auf anthroposophischer Grundlage veröffentlicht. Der Text von Matthias Bölts, der zu den tragenden Säulen der Goetheanum Meditation Initiative worldwide gehört, erschien auch in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ Nr. 12-13/2018.
  • Ebenfalls im „Goetheanum“ erscheinen in Anknüpfung an die Living-Connections-Meditationstagung in unregelmäßiger Folge Interviews mit Meditierenden aus der ganzen Welt. Die Interviews führt Inessa Guseva auf englisch, wobei die Fragen von Interview zu Interview gleich bleiben: How did you start meditating – Why do you meditate – Could you outline examples of the basic Anthroposophic meditation or exercises in your understanding? – What was the most memorable experience for you in Living Connections, the first public event on meditation at the Goetheanum on July 2017? – Do you have any advice for someone who would like to begin to meditate? Die englische Version der Interviews ist auf der Living-Connections-Website nachzulesen; eine deutsche Fassung in der Rubrik Forum des „Goetheanum“ ist leider online nicht zugänglich.

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Kommentare

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  • Liebe Frau Dehmelt,

    ich bin sehr einverstanden mit Ihrer Erwiderung zum Artikel „Ich meditiere nicht“ von Philip Kovce aus Goetheanum 9/2018. Sie bezeichnen diesen Artikel allerdings als Glosse und nehmen ihn damit nicht so richtig ernst. Der Artikel ist nicht als Glosse bezeichnet und ich bin ziemlich sicher, auch nicht als Glosse gemeint. Sein Anliegen erlebe ich als sehr ernst…

    mit freundlichen Grüssen
    Jörn Buldmann

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    Den Text von Philip Kovce habe ich übrigens sehr ernst genommen, ganz unabhängig davon, ob er nun eine Glosse sein soll oder nicht.
    Schöne Grüße an Alle!
    Anna-Katharina Dehmelt

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