Newsletter Herbst 2016

Neues Outfit – Kongresse zum Nachsehen, -hören und -lesen – Tagungsberichte – Neue Bücher – Und zum Schluss zwei Hilfsangebote zur Meditation für Einsteiger. Von Anna-Katharina Dehmelt und Terje Sparby.

Der Newsletter und die ganze Website des Instituts für anthroposophische Meditation haben ein aufgefrischtes Outfit bekommen. Das Erscheinungsbild dürfte insgesamt klarer geworden sein und die Bedienung übersichtlicher. Herzlichen Dank an Christian Grauer, der das ermöglicht hat! Wir sind gespannt auf Ihr Echo!
Als nächstes steht dann eine allmähliche Erneuerung nicht nur bei den Literaturhinweisen an. Nach bald fünf Jahren hat sich doch manches weiter entwickelt. Darum kümmern wir uns in den nächsten Monaten.
Noch eine Bemerkung in eigener Sache: künftig werden wir Bestellungen dieses Newsletters bestätigen. Bitte stellen Sie sicher, dass Mails vom Absender InfaMeditation@gmx.de nicht in Ihrem Spam-Ordner landen.

Mit dem Herbst beginnt die Zeit, in der man lieber zu Hause bleibt als auf Kongresse zu fahren. Jetzt können Sie jedoch beides miteinander verbinden. Die Vorträge des Kongresses „Meditation und Gesundheit“ vom 18. bis 20. März 2016 in Berlin  gibt es jetzt als DVD. Für 10 Euro können Sie nachträglich den Vorträgen von Rudi Ballreich, Michaela Glöckler, Harald Walach und Wolfgang Rissmann beiwohnen und sich zu eigener meditativer Praxis anregen lassen. Die hat es auf dem Kongress natürlich auch gegeben, sie ist aber auf einer DVD – glücklicherweise – nicht zu reproduzieren.

Vom Kongress „Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung“ ebenfalls in Berlin gibt es mittlerweile einen Tagungsband mit sämtlichen Vorträgen des Kongresses. Das Vorwort können Sie hier nachlesen. Das Buch mit den Beiträgen von Frank Burdich, Volker Fintelmann, Jannis Keuerleber, Peter Mathias Kiefer, Rocco Kirch, Jochen Kirchhoff, Andreas Meyer, Terje Sparby, Isabelle Val De Flor, Johannes Wagemann, Harald Walach und Ulrich Weger hat 237 Seiten und kostet 36 Euro.

Es gab in den letzten Monaten noch eine ganze Reihe weiterer Tagungen, von denen wir Ihnen wenigstens kurz berichten wollen:

Terje Sparby berichtet vom dritten European Summer Research Institute (ESRI), das von Mind and Life Europe vom 22. bis 28. August 2016 auf der Fraueninsel im Chiemsee veranstaltet wurde. Der Titel war “From Physiological Plasticity to Societal Changes”. Während der ersten Tage wurden neue Forschungsergebnisse, die direkt oder indirekt mit Meditation verbunden werden können, dargestellt. Neue Forschungsfelder wie die Epigenetik zeigen, dass der Mensch weniger vorausbestimmt ist als bisher von der Genetik behauptet. Menschen, die heute meditieren, können theoretisch die Wirkungen ihrer Tätigkeit auf spätere Generationen übertragen. Wohlgemerkt ist diese Art von Forschung sehr jung und es ist noch unbekannt, ob Meditation wirklich einen epigenetischen Einfluss haben kann.
Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging hat vom Forschungstand des Neurofeedbacks berichtet. Die Idee von Neurofeedback ist, dass physiologisch messbare Wirkungen der Meditation durch technische Geräte wie dem EGG dem Meditanten zum Beispiel durch Töne oder Visualisierungen in Echtzeit zugänglich gemacht werden. Dadurch erhält man von außen ein Feedback darüber, wie gut man beispielsweise fokussiert ist und die meditative Entwicklung kann möglicherweise dadurch beschleunigt werden. Was das jedoch wirklich bedeutet, ist noch eine offene Forschungsfrage.
In der Mitte von ESRI wurde ein ganzer Tag gemeinsam geschwiegen und unter Anleitung von Roshi Joan Halifax, Lene Handberg und John Dunne meditiert. In den letzten Tagen ging es um die Beziehung von Forschung, Meditation und Gesellschaft. Zum Beispiel hat  Jamie Bristow von seiner Arbeit in England berichtet; er hat sich dafür eingesetzt, dass die Mitglieder des Britischen Parlaments die Möglichkeit bekommen, Achtsamkeits-Meditation zu praktizieren. Achtsamkeits- bzw. Mindfulness-Meditation wird seither in England immer stärker befürwortet. Es gibt aber auch kritische Stimmen. So wird etwa gefragt, ob mit der Verbreitung der Mindfulness-Meditation eine stillschweigende Einführung des Buddhismus verbunden ist. Andere fragen sich, ob Meditation nicht auch negative Wirkungen haben kann, was bis jetzt aber noch kaum erforscht wurde. Diese und ähnliche Fragen werden bestimmt die Weiterentwicklung vom Mind and Life Institut begleiten.

Dirk Kruse berichtet von den beiden Tagungen zu Wahrnehmungs-Meditationen in Schottland und Norwegen: Erstmalig fanden größere Veranstaltungen mit anthroposophischen Wahrnehmungs- und Natur-Meditationen im Bereich der „Westlichen- und Nordischen Mysterien“ statt. Deren spirituelle Traditionen sind von ichhaft-aufgeklärten,  personalen und wahrnehmenden Beziehungen zur geistigen Wirklichkeit und ihren Kräften und Wesen geprägt und stellen so einen ergänzenden Gegenpart zu vielen östlichen Traditionen dar.
50 Menschen aus Mitteleuropa und England  trafen sich vom 9. – 15. Juli 2016 beim „IONA -Summercamp“ auf der Isle of Mull vor Iona in Schottland, das nach dem Vorbild der „Summerschools“ des  englischen Anthroposophen Daniel Dunlop von Renatus Derbidge aus Dornach und einem jungen Team gestaltet wurde. Sie begingen eine Woche voller meditativer anthroposophischer Wahrnehmungsarbeit. Katherine Buchanan, Roland Playle und Dirk Kruse leiteten Workshops zur goetheanistischen und übersinnlichen Wahrnehmung von Pflanzen, Landschaft und spirituell geprägten Orten. Besonders die unmittelbare greifbare Atmosphäre Ionas und der Einweihungshöhle „Finegals Cave“ auf dem benachbarten Staffa hinterließen tiefe Eindrücke. Danach begaben sich 18 Teilnehmer auf eine wahrnehmungsgeprägte spirituelle Schottlandexkursion, erlebten die druidenblick-artige Intensität der Isle of Skye und die Leichtigkeit und Ewigkeitsstimmung auf der nordwestlichsten Insel der äußeren Hebriden Lewis. Die Eindrücke der Callanis-Steinkreise, mit evident erlebter aktueller geistiger Relevanz, waren ein weiterer Höhepunkt der Tour. Die Reise endete bei den Clava Cairns bei Inverness und in Findhorn.
Eine mit dem IONA-Summercamp innig verbundene Initiative, organisiert von einem Team um Raphael Kleimann,  veranstaltete die ebenfalls von methodischer meditativer Wahrnehmungsschulung geprägte „Norwegische Sommerwoche für Spirituelle Ökologie“ vom 30. Juli bis zum 5. August 2016. Sie fand im Sonnenobservatorium Harestua im Hügelland eine Stunde nördlich von Oslo statt; eine Reisewoche quer durch Südnorwegens Berg- und Fjordlandschaft schloss sich bis zum 14. August an. Die Arbeit wurde von Dorian Schmidt, Manfred Schleyer, Christine Sutter, Dirk Kruse und Frank Burdich methodisch hoch differenziert angeleitet. Die besonders guten meditativen Vertiefungskräfte in der märchenhaften und zugleich saturnisch aufrichtenden nordischen Natur verblüfften, ähnlich wie dies bereits im mehr großräumig durchdringenden Duktus Schottland erlebt wurde. Norwegen scheint ein besonders prädestiniertes Land zur übersinnlichen Wahrnehmung und zur Beziehungsbildung mit Elementar- und Geistwesen zu sein, so einmütig die Dozenten. Die Teinehmer beider Veranstaltungen zeigten sich beeindruckt und sprachen sich für ein „unbedingtes Weitermachen“ aus. Es sind bereits Folgeveranstaltungen für Juli und August 2017 geplant.
Ausführlichere Arbeitsberichte zu beiden Veranstaltungen sind erhältlich bei Dirk Kruse über dirk.u.c.kruse@gmx.de.

Anfang Juli fand in Dornach das sechste Treffen des Netzwerks Goetheanum Meditation Initiative Worldwide statt. Im Mittelpunkt stand die Planung zweier großer, internationaler Tagungen im Juli 2017 am Goetheanum in Dornach, in deren Mittelpunkt die anthroposophische Meditation stehen wird. Wir halten Sie über die Planungen auf dem Laufenden.

Berichte von der Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland mit dem Titel „Meditativ bewusst sein“ vom 17. bis 19. Juni 2016 in Hamburg  finden sich hier  und hier.

Von der internationalen Konferenz “The Inner and Outer Dimensions of Thinking” mit unter anderem Claire Petitmengin am 20. und 21. Mai 2016 an der Alanus Hochschule in Alfter berichtet Terje Sparby: Zielsetzung der Konferenz war die Untersuchung des Denkens selbst und wie es in die verschiedenen Aspekte des Lebens eingebettet ist. Neben Vorträgen gab es kurze Darstellungen schriftlicher Arbeiten einiger Teilnehmer und auch Workshops, wo beispielsweise introspektive oder phänomenologische Methoden exploriert wurden. Es gab Beiträge von Claire Petitmengin („The embodied and transmodal genesis of meaning“), Troy Vine („What does it mean to see ideas? The legacy of Goethe’s disagreement with Schiller“), Johannes Wagemann („The confluence of perceiving and thinking in consciousness phenomenology“) und Terje Sparby („Forms of higher thinking and contemplative experience“). Leider konnte Katrin Hermann vom Interacting Minds Centre der Universität Aarhus nicht teilnehmen. Ihr Beitrag („What is thinking? An embodied neuroscience perspective“) sollte die empirischen und körperlichen Grundlagen des Denkens darstellen. Unter anderem dadurch rutschte der Schwerpunkt der Konferenz auf die inneren Dimensionen des Denkens. Die Teilnahme von Claire Petitmengin ermöglichte die Begegnung zwischen einer außer-anthroposophischen, phänomenologischen Richtung, der Mikrophänomenologie, und Theoretikern und Praktiker, die von der Anthroposophie inspiriert sind. Es bestand nicht nur die Möglichkeit, sondern auch das Interesse für weitere Zusammenarbeit. Aufsätze, die die Methode der Mikrophänomenologie beschreiben, sind hier verfügbar. Insgesamt zeugt diese Tagung von einer wachsenden anthroposophisch-inspirierten Bewusstseinsforschung, die sowohl theoretisch als auch praktisch vorgeht und mit dem allgemeinen Feld der heutigen Bewusstseinsforschung zusammenarbeiten kann.

Zur Vertiefung in das Thema Meditation sind zwei neue Schriften erschienen:

Der von Michaela Glöckler herausgegebene Sammelband „Meditation in der anthroposophischen Medizin – ein Praxisbuch für Ärzte, Therapeuten, Pflegende und Patienten“ stellt ein breites Spektrum an Beiträgen zusammen. Eingangs stellen Texte von Michaela Glöckler, Rolf Heine und Matthias Girke grundlegende Aspekte anthroposophischer Meditation und Seelenübung vor, zum Teil so differenziert, dass die Texte fast als Übungsanleitung dienen können. Der Beitrag von Matthias Girke beleuchtet auch die Wirkung des Meditierens auf Diagnose, Therapie und die therapeutische Beziehung zwischen Arzt und Patient. Die folgenden Texte zeigen dann die Auswirkungen des Meditierens in so unterschiedlichen Gebieten wie der Ethik einer anthroposophischen Klinik, der gesundheitspolitischen Arbeit und den verschiedenen kunsttherapeutischen Richtungen.
Daran knüpft sich ein Forschungsbericht von Arndt Büssing und Peter Heusser, die über 400 Personen aus anthroposophischen Gesundheitsberufen befragt haben. Dargestellt wird der (positive) Zusammenhang von Meditation mit der erlebten Arbeitsbelastung und der Lebenszufriedenheit. Die Autoren betonen stark die Bedeutung des Meditierens für die Steigerung der berufsbezogenen Fähigkeiten. „Die Meditation ist für die befragten Personen also Ausdruck eines angestrebten Entwicklungsprozesses, der auf spezifische Wahrnehmungen und Fähigkeiten abzielt, die auch für den Beruf bedeutsam sind. In der Tat suchen viele bei schwierigen medizinischen Problemen durch spirituelle Bemühungen wie Beten oder Meditieren Hilfe aus der geistigen Welt: 12% immer, 40% häufig, 43% selten und 6% nie.“ Der Band endet mit einem Aufsatz von David Martin, der sich der Beschäftigung mit Wahrnehmung und Denken als Grundlage jeglicher anthroposophischen Meditation widmet und damit einen Ausgangspunkt jenseits aller von Steiner konkret gegebenen Meditationen schafft.
Bemerkenswert ist, dass in dem Beitrag von Michaela Glöckler eine ganze Reihe von Meditationen erstmals veröffentlicht wird, die Rudolf Steiner für die Behandlung einzelner kranker Menschen gegeben hat und die bisher streng im Kreise anthroposophischer Ärzte gehalten wurde – erstaunlich, dass dies überhaupt so lange möglich war. In einer Anmerkung wird darauf hingewiesen, dass „es fraglich bleibt, inwieweit man diese [individuell gegebenen Krankenmeditationen] generalisieren kann. Die hier abgedruckten Meditationen haben jedoch den Charakter einer gewissen Allgemeingültigkeit. So geben sie Betroffenen Anregungen zur Selbstschulung und zeigen die Charakteristik anthroposophischer Krankenmeditationen“ (S. 67).
Der Band ist in seiner Vielseitigkeit auch für Menschen, die nicht im Gesundheitswesen tätig, aber an anthroposophischer Meditation interessiert sind, aufschlussreich, richtet sich aber doch in erster Linie an Ärzte und Therapeuten.

Anregende Lektüre ermöglicht auch das für die Gesellschaft für Bildekräfteforschung von Ulrike Wendt herausgegebene „Themenheft Meditation“. Das in der Reihe „Arbeitsmaterialien der Gesellschaft für Bildekräfteforschung“ erschienene Heft enthält „interne Veröffentlichungen von Berichten, Arbeitsergebnissen und Nachrichten“, die nur über die Geschäftsstelle der Gesellschaft für Bildekräfteforschung bezogen werden können, aber öffentlich angekündigt werden. Man hat also den internen, teilweise vorläufigen, tastenden und auch fragenden Charakter der verschiedenen Beiträge zu berücksichtigen.
Das Heft beginnt mit einer Reihe von Beiträgen von Dorian Schmidt, unter denen sich erstmals auch eine Charakteristik und Anleitung der in der Gesellschaft für Bildekräfteforschung intensiv gepflegten ‚Wortmeditation‘ findet. Es handelt sich um die meditative Auseinandersetzung mit einem Wort, die zu einer Erfahrung des im ausgesprochenen Wort wirksamen Wesens führen kann. Dabei werden die Klangwerte des Wortes und die Ergebnisse einer gedanklichen Beschäftigung mit dem Begriffsinhalt des Wortes bewusst außer acht gelassen. Anschließend gibt Dorian Schmidt einen längeren Forschungsbericht von einigen mit einer Gruppe durchgeführten Wortmeditationen zu verschiedenen Licht-Arten, die einer aus der Soziologie übernommenen qualitativen Inhaltsanalyse unterzogen wurden. Dabei kann sich, so wird berichtet, „eine echte Synthese im Sinne eines Einfangens höherer Geistigkeit“ einstellen (S. 33). Für die nicht ganz unskeptische Beobachterin dieses Vorgehens stellt sich allerdings die Frage, ob hier nicht Probleme gelöst werden sollen, die durch die Auswahl der Methode und der zu meditierenden Worte überhaupt erst entstehen? Eine Vorgehensweise, die von den mit und durch Licht entstehenden Phänomenen ausgehen und diese sorgfältig gedanklich durchdringen würde, würde womöglich auf nachvollziehbarere Weise zu ähnlichen Ergebnissen kommen – was allerdings zunächst nachzuweisen wäre.
Im zweiten Teil des Heftes folgen dann einige Beiträge unter der Überschrift „Meditationsarten im Vergleich“. Unter anderem Mikko Jairi und Jörn Heinlein untersuchen die in der Bildekräfteforschung gepflegten Bewusstseinsvorgänge im Vergleich mit Vipassana- und Zenmeditation und beschreiben subtile innere Beobachtungen. Mikko Jairi fasst sie für sich so zusammen: „Der größte Unterschied der buddhistischen Meditation und der Bildekräfteforschung liegt meiner Erfahrung nach in den unterschiedlichen ‚Wesensgliederbetonungen‘ und den sich dadurch eröffnenden, verschiedenen Realitätsebenen. Durch die Achtsamkeitsmeditation landet man unter Umständen ziemlich direkt bei einer Erfahrung des eigenen Astralleibes, den man ‚vergrößern‘ und stärken lernt und schlußendlich auch läutern kann. In der Bildekräfteforschung spielen sich die Phänomene (mindestens bei mir persönlich) mehr in der bildsamen ätherischen Ebene innerhalb meines Bewusstseinsfeldes ab.“(S. 56) Und Jörn Heinlein fasst zusammen: „Was ist nun das Neue, das Besondere des ‚Schauens im Ätherischen‘, einer Wahrnehmungsform, die uns die Anthroposophie nahe legt? Es ist die meditative Erfassung, die spirituelle Kommunion mit den Gestaltungen der Außenwelt!“(S. 63)
Der dritte Teil mit vier kurzen „Meditationserfahrungen“ wird umrahmt von zwei aufschlussreichen Aufsätzen, in denen Ulrike Wendt von ihren Erfahrungen mit den von Steiner gegebenen Atemübungen berichtet und gemeinsam mit Markus Buchmann Steiners „Säulenworte“ untersucht. Man erhält durch alle diese Beiträge einen reichhaltigen Einblick in den Zugang der Bildekräfteforscher zum Thema Meditation.

Vielleicht ist es in diesen Zeiten nicht am Allerwichtigsten, über die diffizilen Entwicklungen auf dem Felde der anthroposophischen Meditation orientiert zu sein. Aber einen eigenen meditativen Ausgangspunkt zu haben, der uns mit den positiven Entwicklungskräften in Mensch und Welt verbunden hält, das dürfte wohl zum Allerwichtigsten gehören. Als Unterstützung zum Schluss noch zwei Anregungen dafür – aus zwei ganz verschiedenen Richtungen:

Alexander Poraj, Zen-Lehrer am Benediktushof, gibt zehn Tipps für den Meditations-Anfänger.

Michaela Glöckler gibt zum Einstieg in das Meditieren im oben besprochenen Buch folgende Hilfen (S.43f):
„Wer das Meditieren nicht gewohnt ist, kann folgendermaßen beginnen: Man setze oder lagere sich bequem. Der Atem fließt ruhig. Man artikuliere die Worte [z.B. des von Steiner gegebenen Spruches ‚Ich trage Ruhe in mir‘] leise und gut, und spreche langsam zu sich selbst. Nachklingen lassen. Dann beginne man, einzelne Worte zu bedenken, sich zu fragen, was die Wirklichkeit, von der sie sprechen, für einen bedeutet – dabei nicht ins Grübeln verfallen und keine negativen Gefühle zulassen. Treten sie doch auf, achte man wieder ruhig auf den Gang und das Strömen der Atmung und versuche, das Störende zu ‚veratmen‘. Dann lese man sich das Ganze nochmals leise vor oder wiederhole es stumm in der Erinnerung. In innerer Ruhe nachklingen lassen. Man verabschiede sich dann bewusst von der Meditation und blicke dankbar auf das kurze Geschehen zurück, in dem man etwas Wesentliches berührte beziehungsweise davon berührt wurde.
Oft wird gefragt, wann man am besten meditiert oder wie es gelingt, dabei zu bleiben und nicht rasch wieder aufzugeben. Rudolf Steiner empfahl ‚wenigstens fünf Minuten‘ täglich. Für diese fünf Minuten kann man die geschilderte Vorgehensweise wählen.
Schaffen Sie es aber, diese fünf Minuten dreimal am Tag einzurichten, wirkt das nicht nur stabilisierend auf das Wesensgliedergefüge. Der Tagesablauf gewinnt dadurch eine innere Struktur, die sich auch auf das äußere Leben regulierend auswirkt. Sie können beispielsweise morgens vor oder gleich nach dem Aufstehen die ersten fünf Minuten dafür reservieren, sich ein Motiv für den Tag zu vergegenwärtigen, das Sie sozusagen mitnehmen wie einen spirituellen Tagesproviant. Es darf auch ein Morgengebet sein, ein Lied oder ein Spruch. Im Anschluss daran stellen Sie den Bezug zum Tag her, der vor Ihnen liegt. Haben Sie etwas mehr Zeit, so ist ein Morgenspaziergang zu empfehlen. Manchen Menschen fällt es sogar leichter, im Gehen nachzudenken. So wird die Morgenbesinnung auch noch von einer Naturbeobachtung und der so notwendigen körperlichen Bewegung begleitet. […]
Die zweiten fünf Minuten folgen dann im Laufe des Tages, wann immer man dies einrichten kann. Sind Sie zu Hause, so können Sie den Hausgenossen, auch Kindern, ohne weiteres sagen, dass Sie in den nächsten fünf Minuten nicht gestört werden wollen und, wenn möglich, die Tür abschließen. Gibt es in der Arbeit keine ruhige Ecke, keinen Rückzugsort, so darf es zur Not auch die Toilette sein. Abends bietet sich wieder ein kleiner Rundgang an, bei dem Sie die Eindrücke des Tages vom jetzigen Zeitpunkt an rückwärts bis zum Morgen durchlaufen. Dabei können Sie kurz rekapitulieren, wie der morgendliche Vorblick auf diesen Tag war und wie sich dieser zum real durchlebten Tag verhält. […]
So ein ‚Rückzug‘ von dreimal täglich fünf Minuten ist eine Möglichkeit, mit der Meditation zu beginnen. Der Alltag macht oft alles scheinbar gleich wichtig. Das führt zu Zerreißproben, in denen man nicht mehr ordnen, strukturieren, gewichten kann und dann förmlich hin und her zappelt. Mit Hilfe der genannten Übungen befreien Sie sich aus diesem Teufelskreis.“

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