Newsletter Februar 2017

100 Jahre „Von Seelenrätseln“. Forschungsprojekt Denkbeobachtung – Andreas Meyer 1963-2016 – Hartmut Rosa über Achtsamkeit – „Cognitive Yoga“ von Jesaiah Ben Aharon – Hinweise – Schluss von Michael Bauer. Von Anna-Katharina Dehmelt und Terje Sparby.

 

Vor 100 Jahren erschien Rudolf Steiners Buch „Von Seelenrätseln“. Es enthält eine philosophisch-anthroposophische Untersuchung über das Bewusstsein: unserem gewöhnlichen Gegenstandsbewusstsein liegt eine andere Bewusstseinsform zugrunde, die nicht von der Welt getrennt ist, sondern sich eins mit der Welt erkennt, erlebt und ergreift. Die Begründung eines solchen schauenden Bewusstseins ist das Thema des Buches. Dabei geht Steiner in diesem Buch nicht von der theosophischen Überlieferung aus, sondern von seiner Gegenwart und deren in der philosophischen Tradition stehenden Nachdenken über das Bewusstsein. Leider ist es viel zu wenig bekannt – vielleicht kann sein hundertster Geburtstag daran etwas ändern. Das Goetheanum widmet dem Geburtstag eine Tagung.
Das schauende Bewusstsein kann durch Übung allmählich entwickelt werden – ein solches Üben ist (anthroposophische) Meditation. Aber auch das gewöhnliche Bewusstsein kann sich davon überzeugen, dass es zum schauenden Bewusstsein veranlagt ist. Diesbezüglich verweist Steiner ganz am Ende des Buches auf die Anregung von Franz Brentano, psychologische Laboratorien einzurichten, in denen das Bewusstsein sich introspektiv untersucht.
Diese Anregung haben nun zwei junge anthroposophische Forscher aufgegriffen: der Philosoph und Schreiner Merijn Fagard und der Heilerziehungspfleger Wilhelm Humerez. Für ihr Projekt www.Denkbeobachtung.eu haben sie im Herbst des vergangenen Jahres eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, für die sie ihr Forschungsvorhaben in einer Broschüre vorgestellt haben  und mit der sie sich mittlerweile ermöglicht haben, sich ein Jahr mit dem Thema beschäftigen zu können. Dabei ist Merijn Fagard die inhaltlich treibende Kraft, der Beitrag von Wilhelm Humerez liegt stark auch im Organisatorischen. Wie den Links auf ihrer Website zu entnehmen ist, richten sie sich in ihrer geistigen Orientierung an Michael Muschalle und Renatus Ziegler aus.
Mittlerweile liegt ein längerer Aufsatz von Merijn Fagard vor mit dem Titel „Wie demonstriert man die Veranlagung zum Schauen? Steiners Wunsch nach einem psychologischen Labor im Kontext der zeitgenössischen introspektiven Psychologie“ , in dem zum einen der historische Kontext der Idee von psychologischen Laboratorien dargestellt wird. Zum anderen wird Steiners Forschungsfrage aus seinen Grundschriften entwickelt. Der Aufsatz ist außerordentlich interessant und in seinen Fragestellungen, Beobachtungen und Entdeckungen so sorgfältig gearbeitet, dass man sich auf die weitere Entwicklung des Forschungsprojektes freuen darf!
Nun suchen die beiden für ihre weitere Arbeit Versuchspersonen . Die Mitarbeit ist nicht ganz unaufwendig, aber sicherlich sehr interessant! Ein Newsletter hält die Interessierten auf dem Laufenden.

Wir wünschen dem Vorhaben alles Gute!

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Die anthroposophische Meditation hat verschiedene Aspekte. Einer davon betrifft die durchaus auch charakterliche Selbsterziehung, ein zweiter verbindet das Geistig-Seelische im Menschen mit dem Geistig-Seelischen der Welt und gibt damit der Seele Kraft und Sinn. Die oben beschriebene Bewusstseinserforschung dürfte als dritter Aspekt hinsichtlich der Verortung der anthroposophischen Meditation in den Praktiken verschiedener spiritueller Strömungen der originellste sein. Andreas Meyer hat diesen Ansatz Erkenntnisorientierte Meditation genannt.
Andreas Meyer ist am 18. Oktober 2016 nach mehrmonatiger schwerer Erkrankung 53jährig gestorben. Der philosophisch, psychologisch und anthroposophisch (vor allem bei Georg Kühlewind) ausgebildete Andreas Meyer war in Berlin als Therapeut, Dozent und Buchautor tätig – in seinen Büchern treten seine weit gefächerten Interessen von den Templern bis zur Schmetterlingsmassage hervor. Andreas Meyer wuchs in der ehemaligen DDR auf und hat, wie Ronald Richter in einem Nachruf schrieb, die Lebensweise Westdeutschlands nie wirklich begriffen – eine erhellende Einsicht, die manche Eigenart seiner Persönlichkeit verständlich macht.
Vor allem in den letzten beiden Jahren seines Lebens hat Andreas Meyer sich überregional stark für die anthroposophische Meditation eingesetzt. In dieser Zeit hat er an einem Buch mit dem Titel „Erkenntnisorientierte Meditation“ gearbeitet. Es sollte „unter anderem auch einen Überblick über die Geschichte der Meditation enthalten und die einzelnen Tiefenstufen der Meditation phänomenologisch, in Form von konkret nachvollziehbaren Schritten der Bewusstseinsbeobachtung, schildern“. Dieses Buch ist leider nicht mehr fertig geworden.
Manches daraus ist aber sicherlich auch in den Kongress und den daraus entstandenen Kongressband „Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung im Kontext westlicher Spiritualität“  eingegangen. Der Kongress konnte im März 2016 noch unberührt von Meyers Erkrankung stattfinden und zeigt insbesondere in den Beiträgen von Andreas Meyer, Terje Sparby, Johannes Wagemann und Ulrich Weger die Grundlagen einer erkenntnisorientierten Meditation auf. Man darf dankbar sein, dass das noch möglich war und eine Basis für die weitere Entwicklung einer erkenntnisorientierten Meditation geschaffen ist.
Vor wenigen Tagen nun ist in der Reihe „Die kleinen Begleiter“ des Rudolf Steiner Verlags die von ihm herausgegebene Zusammenstellung „Kundalini. Geistige Wahrnehmungskraft und höheres Lebenselement“ erschienen. Sie stellt die zentralen Schilderungen zur Kundalinikraft von Rudolf Steiner zusammen, ergänzt durch eine Einleitung von Andreas Meyer. Eine Besprechung folgt.

Auch auf unserer Website gibt es unter den Facetten einen kleinen Text von Andreas Meyer

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Der Soziologe Hartmut Rosa , Professor in Jena ist, soweit man weiß, kein spirituell praktizierender Mensch und auch zur Anthroposophie gibt es keine Verbindungen. Bekannt geworden ist er durch seine Bücher über Beschleunigung, und in den Radar spirituell interessierter Menschen ist er durch sein Buch „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ getreten. In diesem Buch entwickelt Rosa Resonanz als Gegenbegriff zur Entfremdung, die nicht nur durch die Beschleunigung, sondern durch zahlreiche kulturelle Faktoren und schon lange in vieler Hinsicht wirklichkeitsstiftend wirkt. Er möchte Resonanz als neues Paradigma eines gelingenden Lebens etablieren. Rosa tut das so anschaulich, dass die Lektüre seines Buches zwar nicht immer einfach, aber ausgesprochen anregend ist. Resonanz wird als Grundlage für eine stärkende Weltbeziehung formuliert, die sich der Welt nicht bemächtigt, sondern wie zu einem Gegenüber in Beziehung zu ihr tritt. Als solche ist Resonanz auch nicht verfügbar, sondern sie entsteht entlang individueller Resonanzachsen zur sozialen Umwelt, zu den Dingen und auch zu dem, was über dem Menschen steht.
Mit seinem Weltbezug und dem dahinter aufscheinenden Willen zur Weltverwandlung trifft Rosa zentrale Anliegen anthroposophischer Spiritualität. Eine schöne Besprechung seines Buches von Ralf Gleide findet sich in der Monatszeitschrift „Die Drei“ vom November 2016 .
Nun hat Hartmut Rosa am 27.10.2016 an der Universität Hamburg einen Vortrag mit dem Titel „Achtsamkeit und Selbstbezogenheit – eine Kritik aus gesellschaftspolitischer Sicht“ gehalten, den man auch nachhören und –sehen kann . Vortrag und die anschließende Diskussion sind im Dreieck von populärer Achtsamkeitsbewegung, anthroposophischer Meditation und philosophischem Gegenwartsdenken außerordentlich interessant. Rosa formuliert in diesem Vortrag, der auch eine gute Einführung in seine Resonanztheorie bietet, verschiedene Kritikpunkte an der Achtsamkeitsbewegung – mit der er sich allerdings nicht wirklich gut auskennt. Bei seinen Recherchen hat er festgestellt, dass Achtsamkeit oft zur systemstabilisierenden Leistungssteigerung eingesetzt wird – nach einem Achtsamkeitstraining fällt dem Manager die Entlassung von Personal leichter als vorher – ein Kritikpunkt, in dem ihm weite Kreise spirituell orientierter Achtsamkeitslehrer zustimmen. Als weitere Kritikpunkte nennt er individualistische Verengung (alles liegt am Subjekt, die andere Seite, die Welt, fehlt völlig), universalistische Überdehnung (die Aufmerksamkeit soll sich überall hin gleichschwebend richten, ohne Auswahl zu treffen und Schwerpunkte zu setzten) und präsentistische Verengung (das Präsenz-Gebot schließt die Geschichte und damit den ganzen Hof von Sinn und Bedeutung aus). Rosa plädiert für Hingabe und Leidenschaft statt für wertfreie Aufmerksamkeit und Loslösung von allen Anhaftungen – und er repräsentiert seinen Ansatz auch selbst, wie man in der anschaulichen, mit Beispielen gespickten und engagiert vorgetragenen Rede gut beobachten kann.
Anschließend stellte Hartmut Rosa sich im Interview mit Birgit Stratmann , Redakteurin beim Netzwerk und Mitveranstalter Ethik Heute . Das Netzwerk will „eine Ethik des Herzens kultivieren will, die sich aus Quellen wie Mitgefühl, Nächstenliebe, Achtsamkeit und Weisheit speist und vom Dalai Lama unterstützt wird“.
Stratmann geht weniger in eine Diskussion mit Rosa, als dass sie einzelne Aspekte zu vertiefen sucht. So erfährt man in dem Interview einiges darüber, wie Rosa durch Beobachtung seiner eigenen Resonanzpraktiken in der Musik und im Schauen in die Sterne zu seiner Resonanztheorie gekommen ist. Und er gibt zu, dass er als akademisch Verankerter nicht wagt, ein Bekenntnis zur Achtsamkeitsbewegung oder anderen ihm esoterisch erscheinenden Richtungen abzugeben. Im Laufe des Gesprächs gibt Rosa zu, dass ein Achtsamkeitstraining der Resonanzfähigkeit auf der Subjektseite förderlich sein kann. Zur Weltverwandlung trage sie allerdings nichts bei – da bleibt Rosa standhaft.
Interessant sind auch die Kommentare unter dem Interview sowie eine Replik des Freiburger Meditationsforschers Stefan Schmidt . Selbst akademischer Meditationsforscher kritisiert er die in Angst vor Diskreditierung begründete Zurückhaltung Rosas gegenüber der Achtsamkeit und seine offensichtlich nur oberflächliche Kenntnis der Achtsamkeitspraxis scharf, versucht dann aber, das Gemeinsame von Achtsamkeit und Resonanz zu benennen: Gegenwartsbezug, Entfunktionalisierung und Sinnstiftung. Die Resonanz sei „dem nahe, was in der Achtsamkeitspraxis als Erfahrungsbezug bezeichnet wird.“ Gerade dieser Bezug zu den eigenen Emotionen und Gedanken verändere den Selbst- und den Weltbezug und erhöhe so die Wahrscheinlichkeit von Resonanzerfahrungen. Stefan Schmidt bringt in seinem Text kein einziges Beispiel für seine Thesen und macht damit zugleich auch den Unterschied zwischen Achtsamkeit und Resonanz deutlich.

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Im Herbst 2016 ist ein neues Buch von Yeshayahu (Jesaiah) Ben-Aharon, Gründer des Kibbutz Harduf in Israel mit dem Titel „Cognitive Yoga. Making Yourself a New Etheric Body and Individuality” im Verlag Temple Lodge Publishing auf englisch erschienen. Der norwegische Waldorflehrer Torbjorn Eftestol, Musiker, Pianist und Waldorflehrer stellt uns das Buch vor, Terje Sparby hat den Text übersetzt. Ben Aharon hat bereits mehrere Bücher publiziert sowohl über die Methode des geistigen Forschens als auch über seine eigenen Forschungsergebnisse, vor allem in „Die neue Erfahrung des Übersinnlichen“ und „Das spirituelle Ereignis des 20. Jahrhunderts“ (beide erschienen im Verlag am Goetheanum auf deutsch). Das Kernthema dieser Werke ist die Wiederkunft Christi als natürliche Entwicklung neuer geistigen Erkenntnisfähigkeiten in unserer Zeit und die mögliche Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten durch die Anthroposophie.
“Cognitive Yoga” behandelt nun den michaelischen Lichtyoga, wie Rudolf Steiner ihn in den Vortrags-Zyklen “Die Sendung Michaels” (GA 194) und Grenzen der Naturerkenntnis (GA 322) beschreibt. Ben Aharon stellt seine Methode aus der eigenen Erfahrung und Praxis der letzten 40 Jahre dar. Diese Methode wurde schon in „Die neue Erfahrung des Übersinnlichen“ angewandt und mit umfassenden Referenzen zu den Werken von Steiner dargelegt. Im neuen Buch wird nun die Methode allgemein und voraussetzungslos erklärt – es werden keine Kenntnisse der Anthroposophie vorausgesetzt. Das Buch erklärt schrittweise, wie die Wahrnehmung und das Denken gereinigt und getrennt werden. Der Autor zeigt, wie diese Reinigung zu einer übersinnlichen Erfahrung von den Kräften hinter dem normalen Denken und der normalen Wahrnehmung führt. Durch diesen Prozess der Ätherisierung, der die Bildekräfte des Denkens und der Wahrnehmung freilegt, geschieht eine graduelle Durchdringung und Befreiung der Bildekräfte, die im Körper aktiv sind. Wie eine Antwort auf diese Vergeistigung von Denken und Wahrnehmen befruchten freie kosmische Kräfte die individuellen Kräfte. Dieser Prozess soll einen neuen ätherischen Leib erzeugen.
Die Erschaffung eines neuen ätherischen Leibes führt zur geistigen Geburt einer neuen Individualität, die die Fähigkeit hat, in der Ätherwelt bewusst zu leben. Dies ist das Thema der letzten vier Kapitel des Buchs. Dieser Prozess mündet in einen Wesensaustausch mit der kosmischen Quelle des Werdens, oder, mit einem traditionellen anthroposophischen Ausdruck, in einer Christusbegegnung.
Das Buch ist nicht nur eine Erklärung dieses Prozesses, sondern auch ein meditativer Text an sich. Er beinhaltet Beschreibungen beispielsweise der Aktivierung des dritten Auges und des Verhältnisses dieser Aktivierung zur Ätherisierung des ganzen Leibes. Oder anders gesagt: wie lernt man, in der geistigen Welt zu denken, zu sprechen und zu gehen?
Eine weitere Rezension von Ben Aharons neuem Buch hat Richard Bunzl in der britischen Vierteljahresschrift New View Nr. 82 veröffentlicht.

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Hinweisen möchten wir Sie gerne noch auf folgende Ereignisse und Veröffentlichungen:

Vom 7. bis 9. Juli 2017 findet am Goetheanum in Dornach eine große Meditationstagung unter dem Titel „Living Connections – Worldwide Perspectives on Anthroposophical Meditation“ statt.  Die Tagung ist hervorgegangen aus den Treffen der Goetheanum Meditation Initiative (wir berichteten mehrfach) und versammelt ein breites und internationales Spektrum der anthroposophischen Meditation. Es handelt sich um die „erste öffentliche Veranstaltung am Goetheanum, die sich ganz dem Thema Meditation widmet“ und sie ist als Einführung gedacht. Die Plena finden auf englisch statt, Simultanübersetzung ins Deutsche, Spanische und Französische sind möglich. Die Arbeitsgruppen finden in verschiedenen Sprachen statt. Interessant ist auch, dass mit dieser Tagung der intern immer wieder umstrittene Begriff „Anthroposophische Meditation“ endlich weltweit etabliert wird.
Die Website für die Tagung ist noch im Aufbau, aber Anmeldungen sind schon möglich. Ein Online-Reader enthält interessant Interviews mit Friedrich Glasl, Tho Ha Vinh, Joan Sleigh, Terje Sparby und Arthur Zajonc sowie einen Text von Robin Schmidt.

Vom 17. bis 19. März 2017 findet in Stuttgart der dritte Kongress mit dem Oberthema Meditation in Ost und West statt: „Meditation und Selbsterkenntnis. Perspektiven einer spirituellen Psychologie in Ost und West“. Mitwirkende sind wie in den Vorjahren Rudi Ballreich, Corinna Gleide, Christoph Hueck, Andreas Neider, Thich Duc Tin und Volker Zotz, neu hinzukommen dieses Jahr Ludger Beckmann und Alexandra Falk-Gierlinger.

Der von Rudi Ballreich produzierte Film „From Business to Being“ von Hanna Henigin und Julian Wildgruber über Meditation im Wirtschaftsleben ist nun seit 2. Februar in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen. Dort wird er angekündigt als „Dokumentarfilm über die Fallstricke der Arbeitswelt und welche Chancen es für Veränderungen gibt“.

Im Hinblick auf die lebensförderliche Wirkung von Meditation möchten wir gerne auf die schöne Website „Achtsam Werden“ von Harald Haas und Theodor Hundhammer hinweisen. Dort findet sich ausführliches Material zu drei klassischen anthroposophischen Übungsprogrammen: den Nebenübungen, dem achtgliedrigen Pfad und den Übungen „Nervosität und Ichheit“.

Die Monatszeitschrift Die Drei hat ihre Reihe zu Steiners Schulungsbuch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ bis in’s erste Heft des Jahres 2017 fortgesetzt. Das ganze Jahr 2016 hindurch gab es fast jeden Monat einen Artikel, nur im Oktober nicht: stattdessen schrieb dort Andreas Neider über die Stufenleiter der Mönche, die viele Aspekte von Steiners Gliederung der Bewusstseinsstufen in Imagination, Inspiration und Intuition vorwegnimmt. Die Artikel können alle im Archiv von Die Drei gegen einen kleinen Kostenbeitrag heruntergeladen werden. Ab Ostern soll die Reihe mit dem Thema Meditation fortgesetzt werden.

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Wir schließen diesen Newsletter ab mit einem Wort von Michael Bauer, das Margareta Morgenstern in ihrer Biographie „Michael Bauer – ein Bürger beider Welten“ zitiert (S. 158). Michael Bauer war einer der ersten und treuesten Schüler Rudolf Steiners und blieb darin doch ganz eigenständig:

Die Fähigkeit zu meditieren ist das Mittel, „eine Schicht des eigenen Wesens zu erreichen, wo wir unsere moralisch-geistigen Kräfte erfrischen. Eine Verjüngung, ähnlich der Kräftigung, die ein Aufstieg in freie Bergeshöhe ist, eine Anstrengung, die eine Kräftigung im Gefolge hat. Treten gar Innenerlebnisse bedeutsamer Art hinzu, dann erfüllt sich die Seele mit Gefühlen und Impulsen unvergesslicher Art, deren Kraft langsam das Leben ergreift und unser ganzes Verhältnis zur Welt verändert.“

Kommentare

  • Grüße aus Bonn, gerne möchte ich diese Newsletter regelmäßig erhalten.
    In fühle mich darin verstanden.
    Mit herzlichen Grüßen
    Christopher Kiomall

  • Wieder mal ein sehr gelungener Newsletter, danke.

    Das auf die „Selbstbezogenheit“ der etwas inflationären Achtsamkeit kritisch hingewiesen wird, ist erfreulich (Das gibt es übrigends auch bei dem Psychiater M.Huppertz, vor allem in seinen ersten 2 Büchern http://www.mihuppertz.de/).

    Dennoch glaube ich, dass die anthroposophische Meditation sehr viel bekannter werden würde, wenn sie sich von „außeranthroposophischen“ Richtungen, gerade auch von Achtsamkeitslehrern, mehr inspirieren lassen würde: Die achtsame Erkundung der Sinne, die Miteinbeziehung des Körpers und vor allem des Atems werden m.E. im anthrop. Schulungsweg eher marginal, wenn nicht sogar (Atem) abwertend behandelt.

    Interessanterweise hat z.B. auch ein (Denk-) Lehrer wie G.Kühlewind in seinen letzten Lebensjahren (und Büchern) immer wieder auf Anthony de Mello und seine Achtsamkeitsübungen hingewiesen.

  • Würde gerne diesen Newsletter weiterhin erhalten.Sehr klar und informativ finde ich.Danke.