Newsletter Oktober

Willigis Jäger über Kontemplation – Michael Eggert über die Wahrnehmung der Landschaft in der Meditation – Neue Facetten von Hendrik Vögler und Christof Lindenau – Kongress der Anthroposophischen Gesellschaft in Berlin – Meditation für Führungskräfte – Kolloquium Anthroposophische Meditation und Akademische Meditationsforschung – Umschau: Audio von Ken Wilber und Seminar mit Andrew Cohen in Frankfurt ——–

Brunnen der Ruhe – Augen des Lichtes: Bilder, die Elemente meditativer Erfahrung einfangen. Die tiefen Brunnen der Ruhe öffnen sich vor allem bei Meditationen, in denen es um Loslassen, um leeres Bewußtsein, um Hingabe geht. Die Augen des Lichtes können hell werden, wo die Meditation sich auf ein Thema, einen Inhalt oder eine Formel richtet. Das sind die beiden Grundrichtungen der Meditation, wie sie als Offenes Gewahrsein (open monitoring OM) und Fokussierte Aufmerksamkeit (focused attention FA), als Empfänglichkeit und Produktivität oder als Bewussteinsleerung und Bewussteinssammlung beschrieben werden können.

Letzteres tut Willigis Jäger in seinem Buch „Kontemplation – Ein spiritueller Weg“. Kontemplation heisst in christlicher Tradition, was in östlicher Tradition Meditation heißt, während im Christentum unter Meditation eher eine gedanklich ausgerichtete Betrachtung verstanden wird. In seinem Büchlein zeigt Jäger – in kurzgefasster Weise, hauptsächlich der eigenen Orientierung, weniger dem Weiterforschen dienend – einige christlich-mystische Traditionen der Kontemplation auf, und vor allem kommt es ihm darauf an, die im Prinzip gleiche Zielsetzung der verschiedenen kontemplativen bzw. meditativen Wege aufzuzeigen: die Erfahrung der Ungetrenntheit von Mensch und Welt.

Aus anthroposophischer Perspektive steht diese Erfahrung nicht im Mittelpunkt, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Sie ist aber doch Voraussetzung und Fluchtpunkt für meditative Erfahrungen auf dem Boden der Anthroposophie: für die Begegnung mit dem Ungetrennten  i m  Getrennten, ganz konkret, im Gegenwärtigen, in der Natur, im Beruf, im anderen Menschen, auch in Krisen und Krankheiten. Oder – in der Landschaft. Michael Eggert beschreibt in seinem Blog eine solche Erfahrung.

Auf der Website dieses Instituts sind zwei neue Facetten hinzugekommen. Die Autoren leben zwar ganz dicht beieinander, ihre Facetten sind aber ganz unterschiedlich: der Dortmunder Arzt Hendrik Vögler führt ganz konkret eine Übung zur Ich-Bin-Erfahrung durch, und der in Bochum lebende Christof Lindenau, einer der Senioren anthroposophischer Meditation, schildert die innere Haltung einer meditativ ausgerichteten geistigen Forschung.
Vielen Dank Ihnen beiden!

Weiterhin gibt es zu berichten:

Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland plant für 2013 wieder einen großen Kongress, diesmal in Berlin. Vom 27. bis 30. Juni 2013 will man sich unter der Überschrift „Mittendrin“ mit der Frage beschäftigen, wie geistige Bewegungen Kulturpraxis werden. „Diesmal geht es um thematische Auseinandersetzungen, die durch Repräsentanten aus dem anthroposophischen Bereich wie offenherzigen Vertretern anderer Richtungen besetzt werden sollen, so zu den brennenden Fragen meditative Erfahrung, Medizin und soziale Gestaltung. Ein Moderator wird das Ganze begleiten, ein Eröffnungsreferat durch einen Geisteswissenschaftler gibt eine Linie vor. Das Ganze wird verarbeitet in Gesprächsforen, die zur Vertiefung beitragen“, schreibt Florian Roder für die Vorbereitungsgruppe auf Seite 5 der Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland. Man darf gespannt sein.

Alexandra Abensperg-Traun (Unternehmerin) und Ursula Flatters (Ärztin), beide Mitarbeiterinnen der Goetheanum Meditation Initiative – einer der Kooperationspartner dieses Instituts – bieten gemeinsam mit Roland Matthijsen im Januar 2013 ein Meditationsseminar für Führungskräfte in der Steiermark an.
Im Rahmen der Trigon Entwicklungsberatung bietet Rudi Ballreich ab März 2013 am Benediktushof in Holzkirchen bei Würzburg eine Reihe von Workshops an mit dem Thema „Aus tieferen Quellen schöpfen. Meditation als Erkenntnisweg für Führungskräfte“ (S. 14). In den soeben erschienenen Trigon Themen 03/2012 stellt er seine auf Anthroposophie gestützte, insbesondere an Arthur Zajonc anschließende Arbeitsweise vor. Sehr lesenswert!

In den nächsten Tagen findet das erste Kolloquium „Anthroposophische Meditation und Akademische Meditationsforschung“ statt. Vorbereitet haben es Anna-Katharina Dehmelt, Markus Buchmann und Johannes  Wagemann. Sie haben rund 15 ausgewiesene Experten eingeladen, um sich auf die Suche nach einer übergreifenden Idee anthroposophischer Meditation zu machen und diese ins Gespräch mit der akademischen Meditationsforschung zu bringen. Einen Bericht gibt es im nächsten Newsletter.  

Und aus dem spirituellen Umfeld gibt es zu berichten:

Den Urgrund des Seins in seinen verschiedenen Facetten beschreibt Ken Wilber in einem Audio “Five Reasons You’re not Enlightened“ anhand fünf verschiedener spiritueller Traditionen, buddhistischer, hinduistischer und christlicher. Es berührt, dem Meister integralen Denkens mit seiner allmählich alternden, großen Stimme zuzuhören, wie er das Ziel der verschiedenen Traditionen beschreibt und die Hindernisse, die dem Erreichen dieses Ziels entgegenstehen. Erfahrungsgemäß wird diese Rede das künftige Gespräch der verschiedenen Traditionen und der mit ihnen verbundenen Meditationspraktiken zumindest in der westlichen Welt prägen und lohnt auch deshalb die Kenntnisnahme. Von der knapp einstündigen Rede sind im Internet fünf Probeminuten zu hören, das ganze Audio kann für 9,99 Dollar heruntergeladen werden. Die Website enthält darüberhinaus eine kurze ebenfalls englische textliche Zusammenfassung sowie weiterführendes Material aus den Schriften Ken Wilbers.

Aus seiner Verbindung mit dem Urgrund des Seins heraus ist der Arbeitsschwerpunkt von Andrew Cohen und seiner Bewegung EnlightenNext   – deren deutscher Teil Kooperationspartner des Institus für anthroposophische Meditation ist – die Entwicklung von Mensch, Bewußtsein und Kultur. Cohen dürfte damit dem Anliegen der Anthroposophie – einer spirituell begründeten Kulturwirksamkeit – näher kommen als die meisten anderen spirituell wegweisenden Persönlichkeiten der Gegenwart. Am 10. November 2012 gibt es Gelegenheit, Andrew Cohens Ansatz in einem Tagesseminar in Frankfurt  kennenzulernen. Und Menschen mit mehr oder weniger Zeit können bereits am Vorabend einen Vortrag im Frankfurter Ring anhören.   Bei beiden Veranstaltungen wird ins Deutsche übersetzt.

Soviel für diesmal. Wir freuen uns weiterhin über Anregungen, Hinweise und Kommentare.
Der nächste Newsletter erscheint im Dezember.

 

Kommentare

  • Hallo!

    Ich habe leider diesen Monat Euren Newsletter n icht bekommen, würde mich aber sehr über weitere Zusendungen freuen, da ich eine sehr interessierte Leserin und Ihrem Anliegen sehr zugetan bin.

    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Astrid

    • Wirklich nicht? Sie sind im Verteiler und sollten ihn eigentlich bekommen haben …