Newsletter Juni

Bewusstsein: auf dem Kongress der Akademie Heiligenfeld …  im zweiten Kolloquium des Instituts für anthroposophische Meditation … im Sommerheft der EnlightenNext Impulse – Andrew Cohen, Annette Kaiser und Arthur Zajonc am 11. Mai 2013 in Basel – Sabbatical Andrew Cohen – Arthur Zajonc in Berlin – Schlusswort von Adrian Wagner. Von Anna-Katharina Dehmelt und Terje Sparby  ——————–

Der Begriff des Bewusstseins ist einer der schillerndsten Begriffe der Gegenwart. Das Bewusstsein ist ein Rätsel – denn es kann innerhalb der herrschenden Paradigmas der Naturwissenschaften nicht erklärt werden. Der Sprung von den materiellen Vorgängen der Außenwelt und den physiologischen Vorgängen im Gehirn zur inneren Bewusstseinsempfindung beispielsweise einer Farbe ist unüberbrückbar – ein Sachverhalt übrigens, den Rudolf Steiner schon 1894  zu einem Angelpunkt seiner „Philosophie der Freiheit“ machte. Von spiritueller Seite hingegen wird mit ‚Bewusstsein’ gemeinhin der Zugang zur Innenwelt der Außenwelt bezeichnet. Es kann durch Meditation vertieft werden und zu einer Seins- oder Wirklichkeits-Erfahrung führen, die unendlich viel reicher, wahrer und auch schöner ist, als Sein und Wirklichkeit, die wir in unserem getrennten Alltags-Bewusstseinen erleben.
Die verschiedenen spirituellen Strömungen haben diese vertiefte Seins- oder Wirklichkeitserfahrung in verschiedener Weise zum Ausdruck gebracht und Wege zu ihr gewiesen. Rudolf Steiner hat  diese Erfahrungen im Rahmen einer „geistigen Welt“ zum Ausdruck gebracht – verbunden mit der mit wachsendem Zeitabstand zu ihm ebenfalls wachsenden Gefahr, diese geistige Welt entsprechend unserem Alltagsbewusstsein als fertig, fest und eindeutig vorzustellen anstatt als jeweils neu aufzusuchende innere Erfahrungen. Auch Steiner ist dafür von einer meditativen Vertiefung des Bewusstseins ausgegangen und hat diese gelehrt.
Wenn wir heute darauf schauen, wie über Bewusstsein gedacht und geforscht wird, so sehen wir einerseits, wie das alltägliche, in den herrschenden Paradigmen der Gegenwart verankerte Bewusstsein an seine Grenze kommt, wenn es sich selbst verstehen will (sofern es sich nicht in Abwehrbewegungen sofort selbst wieder stillstellt). Und wir sehen andererseits, wie von spiritueller Seite ein Schatz innerer Erfahrung, ein vielleicht ahnendes, aber doch innerlich befestigtes Wissen um eine tiefere Wirklichkeit, um eine ‚geistige Welt’, an diese Grenze herangetragen wird, eine tiefe Bewusstseinswirklichkeit, die durch die Zweifel der Gehirnforschung nicht angetastet werden kann.
So begegnen sich am Thema Bewusstsein äußere und innere Beobachtung, äußerlich erscheinende Welt und Weltinnenraum wie von zwei Seiten. Sie scheinen zwei Seiten einer Medaille zu sein.

Das war eindrucksvoll zu erleben auf dem von der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen veranstalteten Kongress mit dem Thema „Bewusstsein: Bewusstseinsforschung – Bewusstseinskultur – Bewusstseinsentwicklung“. Der Kongress ist stark inspiriert  von dem Freidenker Joachim Galuska, Psychiater und ärztlicher Leiter der Heliligenfeldkliniken in Bad Kissingen sowie von der Stiftung Bewusstseinswissenschaften und von der Gesellschaft für Bewusstseinswissenschaften und Bewusstseinskultur (ehemals Deutsches Kollegium für transpersonale Psychologie und Psychotherapie mit veralteter Website), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, spirituelle Bewusstseinserfahrung im akademischen Kontext zu vergegenwärtigen. Neben Joachim Galuska sind hier u.a. Harald Walach, Wilfried Belschner oder Thilo Hinterberger maßgeblich.
Insbesondere der zweite Kongresstag am 7. Juni zum Thema Bewusstseinsforschung entfaltete das angedeutete Spannungsfeld. In Vorträgen, Foren und Workshops wurde aus der akademischen Bewusstseins- und Meditationsforschung berichtet, wurden Überlegungen zu Formen und Bedingungen eines vertieften Bewusstseins angestellt, aber auch ganz konkret mit Coen van Houtens Schicksalslernen oder der Aufstellung verschiedener  Bewusstseinsebenen gearbeitet – und dazwischen gab es Phasen der Besinnung, Minuten der Meditation, eingestreute Übungen, Musik und Lyrik. Rund tausend Menschen nahmen teil, ausgesprochen aufgeklärt, fast durchweg spirituell erfahren und akademisch gebildet, viele mit einem Schwerpunkt auf Medizin und Therapie. Beeindruckend war die Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit, mit der an dem Thema gearbeitet wurde. Spiritualität war vorausgesetzt, aber in einer völlig undogmatischen und offenherzigen Form.
Besonders hervorgehoben seien die beiden Morgenvorträge von Joachim Galuska und Harald Walach.  Unter dem Titel „Geist und Seele“ entwickelte Galuska die Grundlagen einer Bewusstseinswissenschaft, in dem er verschiedene Schichten in der Vertiefung des alltäglichen, personalen Bewusstseins charakterisierte: in einem ersten Schritt (‚Seele’), eingeleitet durch eine kurze Meditation, die dem Gewahrwerden der eigenen Präsenz diente, wird sich das mit seinen Konzepten identifizierte Ich dieser Tatsache bewusst. Es taucht ein in ein fließendes Spüren eines Bewusstseinsstroms, der weiterreicht als das eigene Ich. Es entsteht eine in der Anwesenheit spürbare Wesenhaftigkeit, noch getrennt, aber schon transparent, noch in der Welt, aber diese schon metaphorisch und mehrperspektivisch anschauend. Beginnt sich das Bewusstsein nun in dieser Verfassung selbst zu vergegenwärtigen, entsteht ein unmittelbares Erleben, ein Schweben in der Formlosigkeit, ein sich selbst tragendes Ungetrenntsein, ein Gewahrwerden einer nondualen Struktur (‚Geist’). Und hinter dieser nondualen Struktur eröffnet sich eine ‚kosmische Intelligenz’, die ihrerseits nun ‚Geist’ und ‚Seele’ konfiguriert und gemäß derer die Evolution vorangeht – eine kosmische Intelligenz, die aber nicht unabhängig ist vom Menschen, die realisiert werden will und realisiert wird, auch wenn sie als solche nur ahnbar und in den geläufigen Bewusstseinsstrukturen kaum ausdrückbar ist.
Dass das Gehirn das Bewusstsein hervorbringe, ist Ausdruck der heute alltäglichen Bewusstseinsstruktur. Denn nicht das Gehirn bringt das Bewusstsein hervor, sondern das Bewusstsein bestimmt die Interpretationen des Gehirns. Das alltägliche Bewusstsein kommt nicht weit über Projektionen seiner eigenen Struktur heraus, das ‚Seelen-Bewusstsein’ erkennt diese Projektionen und kann sie relativieren, das ‚Geist-Bewusstsein’ taucht ein in die unmittelbare Erfahrung des Bewusstseins selbst und öffnet das Tor zur ‚kosmischen Intelligenz’.
Der durchaus anspruchsvolle Vortrag kann bei www.audiorium-netzwerk.de als DVD bestellt werden, ebenso wie der dann folgende, weitgehend frei gehaltene Vortrag „Bewusstseinsforschung – ein Thema für die Zukunft?“ von Harald Walach. Der Philosoph, Psychologe und Inhaber eines Lehrstuhls zur Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Thematik von der Außenseite her und Bewusstseinsforschung im Rahmen eines  wissenschaftlichen Kontextes anzugehen. In knappen und wesentlichen Strichen stellte er die Grundlinien des herrschenden Wissenschaftsparadigmas dar, machte die akademischen Probleme, Grenzfragen und Abwehrmechanismen deutlich und berichtete von Forschungsergebnissen, die die Phänomene des Bewusstseins innerhalb des herrschenden Paradigmas greifbar machen, mehr noch aber von Ergebnissen, die den Rahmen dieses Paradigmas eigentlich sprengen. Für relativ belastbare Forschungen zum Effekt von Bewusstsein auf materielle Vorgänge, zu Präkognition oder zur Beeinflussung anderer Bewusstseine müssen aber Wahrheitskriterien erst entwickelt, geschulte Innenbeobachter erst ausgebildet und vielleicht überhaupt adäquate Experimente erst erfunden werden müssen. (Dazu gab es dann nachmittags eine Forschungsstunde mit dem Thema „Kann man Achtsamkeit und Bewusstsein messen und wenn ja wie?“, die ebenfalls mitgeschnitten wurde.) Vor dem Hintergrund einer kurzen Charakteristik der ungelösten Probleme von Idealismus (der keinen haltbaren Begriff von Materie entwickeln kann) und Materialismus (der keinen haltbaren Begriff von Bewusstsein entwickeln kann) stellte Walach abschließend einen konzeptionellen Rahmen dar, der Bewusstsein als eigenständiges Phänomen integrieren kann: eine Art neutralen Monismus, der von der phänomenalen Verschiedenheit von Materie und Bewusstsein ebenso ausgeht wie von deren Komplementarität bei gleichzeitig unmöglicher Rückführung aufeinander – analog etwa dem Welle-Teilchen-Dualismus der Quantenphysik.
Wir berichten deshalb so ausführlich und begeistert von diesem Kongress, weil hier von spirituell erfahrenen Menschen Fragen und Überlegungen entfaltet werden, die denen Steiners vor hundert Jahren recht nahe kommen. Es war, als wohnte man einer Erneuerung eines Zuganges zur geistigen Welt bei, der nicht ideologisch, sondern mit eigener Erfahrung gepflastert ist. Der teilnehmende Schüler Steiners kann sich fragen: Erinnern Galuskas drei Bewusstseinsstufen nicht an Steiners höhere Bewusstseinsstufen? Beschreibt Steiner Galuskas ‚kosmische Intelligenz’ nicht sogar mit denselben Worten? Findet sich der von Walach beschriebene neutrale Monismus nicht auch in Steiners ‚Philosophie der Freiheit’ und in ‚Von Seelenrätseln’? Fand die in ‚Von Seelenrätseln’ beschriebene Begegnung von äußerer und innerer Beobachtung nicht auf diesem Kongress statt? Und ist nicht die Frage nach dem Bewusstsein geradezu ein Paradebeispiel für eine der in ‚Von Seelenrätseln’ beschriebenen Grenzfragen? Steiner hat ja das Bewusstsein geradezu als Schauplatz der Begegnung von innerer und äußerer Beobachtung beschrieben: „Das menschliche Bewusstsein ist der Schauplatz, wo Begriff und Beobachtung einander begegnen und wo sie miteinander verknüpft werden. Dadurch ist aber dieses (menschliche) Bewusstsein zugleich charakterisiert.“? Und am anderen Ende des Bewusstseinsspektrums heißt es dann: „Alles in der Welt ist bewusst.“ Inwiefern hierin auch der Grund für Steiners so stark am Denken anknüpfenden Ansatz der Bewusstseinsentwicklung liegen könnte, heben wir uns für eine spätere Gelegenheit auf.

Eigene Erfahrung ersetzt Dogmatik – das ist eine der Erfahrungen, die wir (mal wieder) auf dem Kongress in Heiligenfeld machen konnten. Dass wir in anthroposophischen Kreisen noch auf dem Wege dorthin sind, war während des zweiten Kolloquiums „Anthroposophische Meditation und akademische Meditationsforschung“ des Instituts für anthroposophische Meditation am 25.5.2013 zu erleben. Ulrich Ott jedenfalls spiegelte uns am Ende dieses Tages unsere Insider-Sprache und manch implizite und unhinterfragte Voraussetzung. Nichtsdestotrotz sind wir einen großen Schritt vorangekommen. Die 14 Anwesenden – denkbar verschiedenste Individualitäten, die sich in ganz unterschiedlicher Weise auf Steiner und die Anthroposophie beziehen – hatten sich am Beginn des Tages unter der Anleitung von Wolfgang Tomaschitz mit der philosophischen Bewusstseinsforschung auseinandergesetzt. Auch hier wieder begegnete das Problem der aus den Gehirnprozessen nicht erklärbaren Bewusstseins-Innenerfahrung, das sogenannte Qualia-Problem. Im weiteren haben wir dann unter der Anleitung von Johannes Wagemann, Anna-Katharina Dehmelt, Markus Buchmann und Uwe Mos verschiedene, zum Teil erheblich vereinfachte oder weiterentwickelte Übungsansätze Steiners durchgeführt und beleuchtet. Wie stellt sich das Qualia-Problem dar, wenn danach im geschulten Bewusstsein gefragt wird? Sind Steiners Übungen zur Imagination nicht geradezu Anleitungen, die intentionale Struktur von Bewusstsein erfahrbar und dann eventuell sogar messbar zu machen? Wie verhalten sich in diesen Übungen offenes Gewahrsein und fokussierte Aufmerksamkeit, wo kündigen sich die Bewusstseinsstufen Imagination, Inspiration und Intuition an? Die Frage nach dem Bewusstsein, wie sie auch der Kongress in Heiligenfeld deutlich gemacht hat, scheint eine Anschlussstelle zu sein, in die sich die anthroposophische Meditation unmittelbar hineinschmiegen lässt. Hier könnte ein Weg liegen, anthroposophische Meditation und akademische Forschung miteinander ins Gespräch zu bringen, letztere vielleicht bereichernd, erstere im Übergang von Dogmatik zu eigener Erfahrung unterstützend. In dieser Richtung wird weiter gearbeitet.

Auch das gerade erschiene Sommer-Heft der Zeitschrift EnlightenNext Impulse ist dem Thema Bewusstsein gewidmet. Unter der Überschrift „Bewusstseinskultur – dem Leben wieder Tiefe geben“ findet sich ein Text von Tom Steininger zur Geschichte und Bedeutung des Wortes „Bewusstsein“, ein Interview mit Willigis Jäger über die Radikalität der Seins-Erfahrung und ein Gespräch mit der Künstlerin Corinna Krebber über den Bewusstseinszustand „In der Schwebe“, wie sie ihn in ihrer Arbeit erlebt. Vorangestellt ist dem Heft ein Zitat von Ken Wilber, das Vieles von dem bereits Besprochenen zusammenfasst:
„Bewusstsein ist keine emergierende Eigenschaft … Das Innerliche emergiert nicht aus dem Äußerlichen, sondern sie emergieren beide miteinander, Hand in Hand, mit der ersten Grenzziehung, die ein Universum schafft, also der ersten Differenzierung des Kosmos in ein Innen und Außen … Das Bewusstsein an sich ist das, was vom Augenblick der Schöpfung an jederzeit als das Innerliche aller Formen mit allen Formen einhergeht. Weil Oberflächen stets Oberflächen einer Tiefe sind, sind Formen stets Formen des Bewusstseins, und das Innerliche und Äußerliche emergieren von Anfang an miteinander.“
Das Heft enthält auch einige Auszüge aus dem hier mehrfach vorangekündigten Gespräch zwischen Andrew Cohen, Annette Kaiser und Arthur Zajonc unter dem Titel „Meditation und Evolution“ am 11. Mai 2013 in Basel. Jedem, der an diesem Tag dabei war, wird als erstes der Begriff „Spirituelle Freundschaft“ einfallen, den Arthur Zajonc einbrachte und der so hell einschlug und so unmittelbar erlebbar wurde. Auch in den beiden Kleingruppen-Runden, zu denen sich die Teilnehmer zusammenfanden und in denen Gespräche von solcher Offenheit stattfinden konnten, wie sie die drei an diesem Tag zusammenkommenden Strömungen nicht unbedingt hatten erwarten lassen, wurde spirituelle Freundschaft unmittelbar erlebbar. Denn der Tag war gut vorbereitet, nicht zuletzt durch einige anwesende Grenzgänger zwischen den verschiedenen Strömungen. Auch Jens Heisterkamp hat in diesem Sinne über den 11. Mai berichtet.
Für uns war ein Teil des Gespräches besonders eindrucksvoll, den der Moderator Tom Steininger mit folgender Frage eingeleitet hatte: „Wenn ich hier eine Beobachtung einbringen darf: Andrew und Arthur, wenn ich euch zuhöre, dann habe ich den Eindruck, dass du, Arthur, die Komplexität des (evolutionären) Prozesses hervorhebst, während du, Andrew, die Absolutheit des Prozesses betonst.“ Die beiden Angesprochenen bestätigten diesen Unterschied, Arthur Zajonc bekannte sich zu seiner Liebe zu den Details der Welt und auch zu den unendlichen vielen Details im Werk Rudolf Steiners. Er beschrieb die Bereicherung, die die Details seinem konkreten Handeln in einer hochkomplexen Welt geben, vertieft durch ein spirituelles, aber auf die Komplexität der Welt bezogenes Wissen. Mit der Überwindung der Details und der Konkretheit in einer Aufhebung der Subjekt-Objekt-Spaltung, so bekannte Arthur Zajonc, sei es ihm gar nicht so eilig. Andrew Cohen hingegen nimmt seinen Ausgangspunkt in der Überwindung der Spaltung und geht von dort aus auf die Komplexität zu. „Sind wir erst einmal in diesem festen Grund verwurzelt, können wir eine immer nuanciertere und ausgefeiltere Beziehung zur wachsenden Komplexität, welche die Natur der Wirklichkeit ist, entwickeln.“ Es war ungeheuer eindrucksvoll, in diesen beiden Persönlichkeiten den Grundunterschied zweier Wege wahrzunehmen: dem einen geht es um die Durchdringung der Details und der Komplexität hin zu einer zugrundeliegenden Einheit, der andere findet seinen Ausgangspunkt in der Einheit und beleuchtet von hier aus die Komplexität. Und diese Unterschiedlichkeit wurde in größter gegenseitiger Wertschätzung vorgebracht und unterstützt. Als dann, auch durch Annette Kaiser, das Motiv von Mitleid und Liebe hinzutrat, aus dem Arthur Zajonc die spirituelle Freundschaft entwickelte, war hier nicht nur die Rede von spiritueller Freundschaft, sondern man war unmittelbar Zeuge einer solchen spirituellen Freundschaft geworden. Für die 120 anwesenden Menschen war das ein unvergesslicher Eindruck. Möge diese Freundschaft sich fortsetzen!

Von Andrew Cohen ist seither zu berichten, dass er sich nach dem Toskana-Retreat im August in ein halbjähriges Sabbatical zurückziehen wird – ein für einen spirituellen Lehrer ungewöhnlicher Schritt. Katrin Karneth und Tom Steininger haben den Umkreis von EnlightenNext über diesen Schritt wie folgt orientiert: „Andrew Cohen, der Gründer von EnlightenNext, möchte in der nächsten Zeit auch für sich und seine Vision eines post-traditionellen Lehrers einen Schritt weiter gehen. In Gesprächen mit seinen langjährigen Schülern wurde ihm klar, dass es wichtig ist, deutlicher als bisher aus der traditionellen Lehrerrolle in eine neue Form des Schüler-Lehrer-Verhältnisses zu gehen. Um sich für diese Arbeit auch Zeit zu nehmen, hat sich Andrew Cohen entschlossen, nach dem Retreat in der Toskana für sechs Monate in eine Auszeit zu gehen, in der er darüber reflektiert, wohin er sich auch persönlich entwickeln kann, um eine post-traditionelle Lehrerrolle besser ausfüllen zu können.“ Andrew Cohen ist ja oft nachgesagt worden, mit seinen Schülern recht restriktiv umzugehen. Das hat sich jedoch schon in den letzten Jahren erheblich gewandelt. Wohin sich seine Lehrer-Rolle nun entwickeln wird und wie die Ausrichtung und Struktur von EnlightenNext sich entsprechend umgestalten wird – darauf darf man gespannt sein!  Mit einem Beitrag in Andrew Cohens Blog von ihm selbst ist in Bälde zu rechnen.

Wer Arthur Zajonc in Basel verpasst hat, hat am Freitag, den 27. Juni, noch einmal Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Im Rahmen der Tagung „Wie wird der Geist wirksam?“ der  Anthroposophischen Gesellschaft in der Berliner Philharmonie geht es auch um Meditation. Arthur Zajonc hält dort um 9 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Geistige Erfahrung im bewussten Erleben“. Am anschließenden Podiumsgespräch nehmen unter anderem Tho Ha Vinh und Bodo von Plato teil. Karten für Vortrag und Podiumsgespräch gibt es vor Ort für 15 Euro. Das Institut für anthroposophische Meditation ist an dieser Veranstaltung immerhin mit einem Prospekt beteiligt, der auch weniger Internet-affine Menschen mit dem Institut in Verbindung bringen möchte und für diesen Zweck auch gerne bestellt werden kann.
Und dann wird Arthur Zajonc auch vom 10. bis 13. Oktober 2013 in Berlin sein. Dort wird das erste europäische Symposium des Mind and Life Instituts stattfinden, dessen Direktor Arthur Zajonc ist. Auch dort wieder werden unter dem Thema „Individual and Societal Change from the Contemplative Perspective“ Repräsentanten verschiedenster geistiger Strömungen wie Mathieu Ricard, Wolf Singer oder Otto Scharmer zusammenkommen.  

Ein Charakteristikum all der Begegnungen, von denen hier die Rede war, hat Adrian Wagner in seinem Bericht der Basler Veranstaltung am 11. Mai eingefangen (in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ vom 1. Juni 2013):

„Abermals wird deutlich: Um die Existenzfragen unserer Zeit zu lösen, bedarf es heute einer spirituellen Mehrsprachigkeit, aus der geistige Freundschaften wachsen. Dies geschieht mehr denn je strömungsübergreifend aus der Wertschätzung der Individualität des anderen, getragen im Einklang mit der Welt.“

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen in der kommenden Sommerzeit Gelegenheit zum Erlernen spiritueller Fremdsprachen!

Kommentare

  • Danke für diese wunderschöne Formulierung. Das ist es, was heute gebraucht wird: Im Anderen den Teil Gottes zu sehen, der bei mir eher im Schatten liegt. So können Fundamentalismen und Schwarz-Weiß/Gut-Böse-Spaltungen überwunden werden. Wenn ich das nächste Mal kopfschüttelnd gegen die Erkenntnisse eines Anderen argumentieren will, werde ich mich (hoffentlich) daran erinnern.